Wenn der Winter seinen Atem über das Land legt, erwachen jene alten Kräfte, die seit Anbeginn der Zeit über Himmel und Erde wachen. Sonne, Frost und Wind – drei Mächte, so verschieden wie Tag und Nacht, doch untrennbar miteinander verbunden. In dieser besonderen Geschichte treten sie in einen Wettstreit, jeder entschlossen zu zeigen, wer von ihnen die größte Kraft besitzt.
Es ist ein Spiel aus Licht und Kälte, aus Tanz und Stille – und wer genau hinhört, kann spüren, wie die Natur selbst ihre Stimme erhebt. So beginnt der Wettstreit der Elemente.
In den tiefen, stillen Nächten zwischen den Jahren, wenn der Atem der Welt fast zu ruhen scheint, öffnen sich die Schleier zur Anderswelt ein Stück weiter als sonst. Es heißt, in diesen Rauhnächten wandert Frau Holle durch die Lande – Hüterin des Winters, Weberin der Träume und Wächterin all jener Geschichten, die nur im Dunkel geboren werden.
Diese Geschichte führt dich zu ihr, hinein in jene geheimnisvolle Zeit, in der Flocken wie Federn tanzen und jeder Schritt ein Flüstern der alten Magie weckt. Lausche gut – denn wer Frau Holle begegnet, trägt immer ein Stück Zauber mit zurück ins neue Jahr.
Frau Holle existierte bereits weit vor den Märchen der Gebrüder Grimm (1812). Sie ist eine altgermanische Muttergöttin, als Magna Mater bezeichnet und wesensgleich oder identisch mit Freya, Frigg, Diana, Hel, Hludana und Artemis. Als Wächterin über das Wetter lässt sie es regnen oder schneien. Geweiht sind ihr vor Allem Flüsse, Seen und Quellen. Als Hüterin der Schwellen steht sie für Licht und Dunkel, Leben und Tod, zugleich. Sie nährt und spendet Leben, hat aber gleichzeitig eine zerstörende Kraft. Auch Heim, Herd und Hof spielen eine große Rolle. Oft begegnen wir ihr in alten Sagen und Geschichten und oft wird sie auch als „Hexe“ bezeichnet, die aber dann als Hüterin auftritt. Wen wundert es jetzt, dass diese „große Mutter“ jung und schön und Geliebte des Gevatter Tod sein kann? Lasst euch von „Frau Holle“ überraschen.
Die Bäume werfen im Oktober ihr altes Kleid ab, nicht aus Schwäche, sondern im Vertrauen auf das Neue. Und in dieser Zeit des Loslassens, des Wandels, öffnet sich ein altes Tor – zu jenem verborgenen Ort, den die Alten den Brunnen der ewigen Jugend nannten. Lauscht meiner Geschichte des Monats Oktober und erfahrt mehr über diesen Ort.