Februar 2026

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Liebe Freundinnen und Freunde der Erzählkunst,

im Winter stehen die Bäume still da, als hätten sie den Atem angehalten. Ihre Äste sind kahl, ihre Kronen schweigen, und doch schlafen sie nicht. Tief unter der gefrorenen Erde wachen ihre Wurzeln und hüten ein Versprechen: den kommenden Frühling.

In Märchen ist der Winter niemals das Ende. Er ist eine Prüfung, eine Zeit der Ruhe, in der die Welt innehält. Die Bäume tragen diese Zeit mit Würde. Sie lassen los, was nicht bleiben kann, und bewahren ihre Kraft im Verborgenen. Unter Schnee und Eis sammeln sie Licht, Erinnerung und Hoffnung.

Wenn der Wind durch ihre nackten Zweige streicht, klingt es wie ein leises Flüstern alter Geschichten. Geschichten von Knospen, die noch unsichtbar sind, von Blättern, die bereits davon träumen, wieder grün zu werden. Die Bäume wissen: Geduld ist eine Form von Magie.

In den langen Winternächten stehen sie wie Wächter am Rand der Märchenwelt. Sie beschützen das Verborgene, halten die Träume der Erde warm und erinnern daran, dass selbst die tiefste Kälte das Leben nicht besiegen kann. Jede Eiche, jede Birke, jede Weide trägt den Frühling bereits in sich.

Und dann – fast unmerklich – verändert sich etwas. Die Tage werden heller, der Frost verliert seine Schärfe, und in den Zweigen regt sich ein leises Erwachen. Die Bäume strecken sich dem Licht entgegen, noch vorsichtig, aber voller Zuversicht. Der Frühling ist nicht da, aber er ist nah.

Vielleicht lehren uns die Bäume gerade jetzt am meisten. Dass Hoffnung auch im Stillstand wächst. Dass Neubeginn Zeit braucht. Und dass nach jedem Winter ein Märchen weitergeht.

Wer in diesen Tagen einen Baum betrachtet, sieht vielleicht nur kahle Äste. Doch wer genau hinschaut, erkennt: Der Frühling hört bereits zu.

Seid herzlichst gegrüßt

Eure

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